Zwanzig Kilometer Rioni-Tal

Khvanchkara ist keine Marke, sondern ein auf der Karte umrissenes Stück Land. Die Mikrozone liegt in der Munizipalität Ambrolauri: die Südhänge des Lechkhumi-Kammes am rechten Ufer des Rioni und der Nordhang des Racha-Kammes am linken, ein Streifen von etwa zwanzig Kilometern entlang des Tals. Sie umfasst rund dreißig Dörfer, darunter Khvanchkara selbst, Tsesi, Sadmeli, Tola, Chrebalo, Bugeuli, Kvatskhuti, Krikhi, Jvarisa, Gori und Abanoeti, dazu den Südosten der Munizipalität Lechkhumi und die Dörfer Alpana und Orbeli bei Tsageri.
Die Weinberge halten sich in Höhen zwischen 450 und 750 Metern. Das Tal ist von Fels umschlossen, die Hänge sind zum Rioni gewandt, die Böden humos-karbonatisch, steinig und kalkreich: Sie nehmen Wärme gut auf und geben sie nachts ebenso rasch wieder ab. Die Summe der aktiven Temperaturen liegt bei 3350-3750 Grad, der Niederschlag bei 1050-1100 mm im Jahr, die Sonne scheint 1900-2000 Stunden. Gelesen wird in der zweiten Oktoberhälfte, wenn der Zucker 24 Prozent erreicht und die Nächte schon kalt sind, sodass die Gärung im Keller von selbst zum Stillstand kommt.
Die Regeln der Ursprungsbezeichnung sind streng. Nur Aleksandrouli und Mujuretuli aus der Mikrozone; höchstens sieben Tonnen Trauben je Hektar und höchstens 650 Liter Wein je Tonne; verarbeitet wird nur vor Ort, abgefüllt darf auch außerhalb werden. Der fertige Wein hat 30-45 Gramm Zucker je Liter, mindestens 11 Prozent Alkohol und mindestens 5 Säure. In den Verkauf kommt er frühestens am ersten Januar nach der Lese.
Der Name der Zone kam nach dem Wein. Ein Aufsatz über den kaukasischen Weinbau von 1875 nennt Tola, Khvanchkara, Bugeuli und Tsesi als die besten Lagen Rachas; seit den 1870er Jahren geht der Wein der Fürsten Kipiani über Kutaissi und Batumi weiter nach Russland und ins Ausland. Die erste Medaille erhielt er 1900 auf der Batumier Landwirtschaftsausstellung, den Grand Prix 1907 auf der internationalen Ausstellung in Belgien. Seit 1930 heißt der «Kipiani-Wein» Khvanchkara, und im georgischen Register der Ursprungsbezeichnungen steht er unter Nummer eins.