Sakartvelo line Ein georgisches historisches Archiv

Assureti: zwei Gemeinschaften eines Dorfes

Die deutsche Kolonie Elisabethtal, die Deportation von 1941 und die Racha-Familien, die in die geleerten Häuser einzogen.

1818

Assureti: zwei Gemeinschaften eines Dorfes
Labrang · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Assureti liegt in der Munizipalität Tetritskaro in Kwemo Kartli, eine Autostunde von Tiflis. Örtlichen Berichten zufolge stand hier zuvor das georgische Dorf Samatschweti, das nach den Überfällen des 17. und 18. Jahrhunderts verödete. 1818 kamen schwäbische Protestanten aus Württemberg an diesen Ort, eine von etwa zwanzig damals in Georgien gegründeten deutschen Kolonien, und nannten die Siedlung Elisabethtal nach der Kaiserin Elisabeth Alexejewna, der Frau Alexanders I. Unter sowjetischer Herrschaft wurde der Name in Assureti geändert.

Die Kolonisten bauten das Dorf auf ihre Weise: gerade Straßen, Fachwerk- und Steinhäuser, Gärten und Weinberge, große Keller, Milchwirtschaft und Handwerk. Die Kirche wurde im August 1871 geweiht, das Datum ist bis heute über dem Eingang zu lesen.

Um 1830 fand der Kolonist Schall im nahen Wald eine wilde Rebe und nahm sie in Kultur. Die Sorte trägt seinen Namen: Schala, deutsch Schalltraube, auch Asuretuli Schawi, das «Schwarze von Assureti». Heute ist Asuretuli Schala eine geschützte Ursprungsbezeichnung, von der deutschen Weinfabrik von 1931 stehen nur Ruinen.

Im Juni 1941 begann der Krieg mit Deutschland, und die Sowjetdeutschen wurden ausnahmslos für unzuverlässig erklärt. Im Herbst desselben Jahres wurde die deutsche Bevölkerung Georgiens, mehr als zwanzigtausend Menschen, nach Kasachstan, Sibirien und Mittelasien verschleppt; viele Männer waren zu diesem Zeitpunkt schon in Arbeitslagern. Den meisten wurde die Rückkehr nie erlaubt.

Ein Dorf mit Häusern, Kellern, Gärten und Vieh konnte man nicht leer stehen lassen, also siedelte man Bergbewohner an, vor allem Bauern aus Racha, wo es an Ackerland fehlte. So zogen die Racha-Familien in nahezu unberührte deutsche Häuser ein, und der Grundriss der Kolonie blieb erhalten. Manche kamen aus Sch'chwawa: In Assureti leben bis heute Dawlianidse und Enukidse, deren Vorfahren von dort herabstiegen.

Der Kirche nahm man unter Stalin das Steildach, im Inneren richtete man einen Klub mit Kinosaal ein; der Klub endete in einem Brand. 2020 wurde das Gebäude restauriert, heute zeigt es eine Fotoausstellung. Der deutsche Friedhof ist erhalten, auf einer der Platten steht «Auf Wiedersehen!». Die Straßen und das Fachwerk stehen, nur haben die Besitzer geschnitzte Balkone nach Tifliser Art angebaut. Die heutigen Bewohner von Assureti sind zumeist Nachkommen jener Racha-Familien: Sie bewahren die Erinnerung an die Bergheimat wie an die Kolonie, in deren Häuser sie eingezogen sind.

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