Kommandeur der Volksgarde, Autor von Schweres Kreuz
1887–1924

Valiko (Valerian) Jugheli (1887-1924) begann als Marxist, erst bei den Bolschewiki, dann bei den Menschewiki. Nach der Revolution von 1917 stellte er eine Rotgardisten-Abteilung auf, aus der die Volksgarde Georgiens wurde; am neunundzwanzigsten November 1917 nahmen seine Leute das Tifliser Arsenal. Die Garde war nicht einfach eine Armee, sondern der bewaffnete Arm der sozialdemokratischen Partei, und Jugheli befehligte sie während der gesamten Republik.
1918 kämpfte die Garde unter seinem Kommando in Abchasien gegen bolschewistische Kräfte: das war ein politischer, ein Bürgerkrieg, kein Feldzug gegen die Abchasen. In Südossetien schlug die Garde 1920 einen Aufstand nieder, den örtliche Bolschewiki mit Rückendeckung Sowjetrusslands erhoben hatten, der Gegner war also auch dort ein politischer. Doch die Methoden trafen die ganze Region: Massenverhaftungen, Entwaffnung und Kollektivstrafen, niedergebrannte Dörfer, Zehntausende, die über den Kamm fortgingen. Jugheli hat das selbst ausführlich in seinem Tagebuch Schweres Kreuz beschrieben und die Gewalt damit gerechtfertigt, dass sich das unabhängige Georgien anders nicht halten lasse.
Nach der Sowjetisierung ging er nach Frankreich, um Militärwissenschaft zu studieren, und kehrte 1924 zurück, um einen antisowjetischen Aufstand vorzubereiten. Er wurde rasch verhaftet, und am dreißigsten August 1924 erschoss ihn die Tscheka; er war sechsunddreißig. Schweres Kreuz blieb eines der unbequemsten und wichtigsten Zeugnisse über jene Republik.