Oni, Lailashi und die jüdischen Gemeinden des Bergland-Racha: Synagogen, der Lailashi-Kodex und die geleerten Viertel.
1895

Das Bergland Racha ist nicht nur Weinland. In Oni, Lailashi und Tsageri lebten jahrhundertelang jüdische Gemeinden: Juden sind in Georgien seit mehr als zweieinhalb Jahrtausenden zu Hause, und die Bergstädtchen waren ihnen ebenso Heimat wie ihren georgischen und armenischen Nachbarn. Die Gemeinde von Oni galt als die dritte des Landes nach Tiflis und Kutaissi, und die Synagoge steht dort wenige Schritte von der Kirche entfernt.
Die Synagoge von Oni entstand 1895 im eklektischen maurischen Stil; sie ist die älteste noch genutzte Synagoge Georgiens und die drittgrößte. Das Erdbeben von 1991 beschädigte den Bau, der mit Hilfe des Staates und des Joint Distribution Committee wiederhergestellt wurde; 2015 feierte die Gemeinde ihr hundertzwanzigjähriges Bestehen. In Lailashi, schon in Lechkhumi, stand seit 1860 eine steinerne Synagoge: an gewöhnlichen Tagen kamen etwa sechzig Menschen zusammen, an Festtagen bis zu hundertzwanzig.
Aus der Synagoge von Lailashi stammt der Lailashi-Kodex, ein masoretischer Pentateuch des zehnten oder elften Jahrhunderts, in drei Spalten geschrieben und mit Mikrografie verziert. Es ist ein Buch und keine Rolle, was für diese Zeit selten ist. Der Hauptteil der Handschrift wird im Nationalen Handschriftenzentrum in Tiflis aufbewahrt, drei Blätter fanden sich in der Nationalbibliothek Israels.
Von den Gemeinden ist fast nichts geblieben. 1972 beteten dreitausendeinhundertfünfzig Menschen in der Synagoge von Oni, 2015 waren es sechzehn: Man ging in zwei Wellen nach Israel, in den siebziger und in den neunziger Jahren. Eine eigene jüdische Schule des Weinbaus beschreiben die Quellen für Racha nicht, und man sollte sie nicht erfinden: Die Gemeinde lebte in der allgemeinen rachischen Ordnung, in der in jedem Haus Wein gemacht wird, ihr gewohntes Metier aber waren Handel und Handwerk.