Ein zusammenfassender Essay über die Epoche des 11.–13. Jahrhunderts: von der Schlacht bei Didgori bis zur Herrschaft Tamars, mit einer Betrachtung von Politik, Wirtschaft, Kunst und Literatur. Er verknüpft die Dokumente, Artefakte und Bilder dieser Epoche im Archiv.

Als goldenes Zeitalter bezeichnet man die Epoche des 11.–13. Jahrhunderts – den Höhepunkt der mittelalterlichen georgischen Staatlichkeit, von der Thronbesteigung Davids IV. des Erbauers bis zum Ende der Herrschaft der Königin Tamar. Innerhalb von anderthalb Jahrhunderten wurden zersplitterte Länder zu einem starken, zentralisierten Königreich, dessen Einfluss sich über einen bedeutenden Teil des Kaukasus erstreckte.
Die Wende begann unter David IV. (1089–1125). Der junge König unterwarf den widerspenstigen Adel, reformierte die Kirche auf dem Konzil von Ruisi-Urbnissi und baute das Heer um. Am 12. August 1121 schlug er die seldschukische Koalition in der Schlacht bei Didgori, und 1122 nahm er Tiflis ein, das jahrhundertelang unter der Herrschaft eines arabischen Emirs gestanden hatte, und machte es zu seiner Hauptstadt. Ebenfalls unter ihm wurde 1106 das Kloster Gelati mit Akademie gegründet – ein Zentrum der Gelehrsamkeit der Epoche.
Davids Werk setzten seine Nachfolger fort – Demetre I. und Giorgi III., die das Königreich hielten und erweiterten. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts war Georgien ein erstarkter Staat mit starkem Heer, entwickeltem Handel und tributpflichtigen Nachbarn an seinen Grenzen.
Den Höhepunkt erreichte das Königreich unter Tamar (regierte 1184–1213). Ihre Epoche gilt als Zeit des Friedens und der Blüte: Siege bei Schamkor und Basiani sicherten die Grenzen, der Handel belebte sich, Kirchen wurden gebaut, und an ihrem Hof schuf Schota Rustaweli «Der Ritter im Pantherfell» – den Höhepunkt der mittelalterlichen georgischen Literatur. Tamar trug den Titel «König der Könige».
Das goldene Zeitalter beendeten die Mongolen: Ihre Einfälle ab den 1220er Jahren und die Verwüstung Tiflis' durch Dschalal ad-Din 1226 setzten dem Höhepunkt ein Ende. Doch gerade diese Epoche blieb der kulturelle und politische Maßstab, auf den sich Georgien in den folgenden Jahrhunderten immer wieder berief.